Mein Weg zum Open Water Diver

Am und im Wasser habe ich mich schon immer am wohlsten gefühlt. Aber was hat mich dazu bewegt mit dem Tauchen zu beginnen? Koh Samui ist schuld. Oder besser gesagt Koh Tao. Der Schnorchelausflug sollte nur ein Programmpunkt auf der Liste sein. Dachte ich.

Als ich nach 60 Minuten die Brille abnahm, musste ich mir intuitiv die Augen reiben. Die Unterwasserwelt hatte mich komplett geflasht. Diese vielen Farben und Fische, von denen ich noch keinen einzigen Namen kannte, hatte ich nicht erwartet. Ich wollte mehr, viel mehr.

Die Taucher auf dem Boot hatte ich zuvor registriert, jetzt war ich neidisch auf ihre Erfahrungen und Tauchgänge. Jetzt hatte ich eine Ahnung davon, was mir vorher entgangen ist. 1000 Fragen gingen mir durch den Kopf. Wie fühlt sich das an durch den Atemregler zu atmen? In der Tiefe zu sein? Und was ist, wenn mir die Luft ausgeht? Gestellt habe ich keine der Fragen. Nur ehrfürchtig zugeschaut, wie sich die Taucher für ihren zweiten Tauchgang fertig machten.

Zurück in Berlin hat der Alltag alle Gedanken an die paralysierende Unterwasserwelt viel zu schnell ausgemerzt. Bis ich an meinem Geburtstag einen Umschlag mit einer Wasserschildkröte in den Händen hielt. Ein Gutschein für die Ausbildung zum PADI Open Water Diver für den bevorstehenden Costa Rica Urlaub. Holy Shit – ich war echt gerührt. Mit dem Gutschein gab es einen Onlinezugang für die Theorie.

Von Risiken und anderen Nebenwirkungen

Als ich mich durch die einzelnen Lektionen klickte und immer wieder Begriffe wie Barotrauma, Dekompressionskrankheit und Risse an mir doch sehr geschätzten Organen beschrieben wurden, erschien mir Tauchen als das bescheuertste, was ich machen konnte. Eine weniger traumatisierende Beschreibung der Risiken wäre definitiv auch o.k. gewesen. Meine Vorfreude auf den Open Water Diver Kurs war getrübt.

In den ersten Tagen in Costa Rica mit frei fliegenden Aras und Tukanen – ja, das sind die Vögel von der Haribo-Tüte, war mein Kopf genug abgelenkt, um alle furchterregenden Szenarien auszublenden. Recht motiviert machte ich mich auf den Weg zum ersten Treffen in die Basis der Herradura Divers.

Mir war gar nicht bewusst, wie viel “Papierkram” es erst mal auszufüllen gibt. Den Bogen zur medizinischen Selbstauskunft dann auch gleich zweimal. “Ach so, man muss da wirklich das Wort NEIN überall eintragen?” Ähm, ja…

Die Theorie hatte ich zu Hause bereits abgeschlossen, meinen Lernerfolg musste ich in Form eines Schnelltestes noch mal unter Beweis stellen. Reichlich nervös hantierte ich mit der RDP Tabelle (Recreational Dive Planner) herum. Eine Frage falsch beantwortet. Theorie offiziell bestanden. Nach der Anprobe des Leihequipments hatte ich meinen ersten Kurstag ohne Blessuren überstanden.

Ab in den Pool

Am nächsten Tag ging es in das erste Mal in voller Montur in den Pool. Das erste Mal Atmen unter Wasser fühlte sich noch nicht mal merkwürdig an. Auch das Fluten und Ausblasen der Maske erschien mir, umgeben von schützendem Beton, machbar. Nur bei der Seitwärtsbewegung zum Wiedererlangen des ausgespuckten Lungenautomaten punktete ich nicht mit Anmut. Ich war stolz, als ich im Manual die gelernten Punkte überflog:

  • Anlegen und Einstellen der Ausrüstung
  • Überprüfung der Funktion
  • Buddy-Check
  • Atmen und Wasser
  • Druckausgleich
  • Einstieg- und Ausstieg
  • Neutrale Tarierung
  • Wiedererlangen und Ausblasen des Lungenautomaten
  • Ausblasen einer teilweise gefluteten Maske
  • Handsignale
  • Atmen aus einer alternativen Luftversorgung
  • Simulierter Notfall: die Luft geht zu Ende
  • Jacket mit dem Mund aufblasen

Nach dem nächsten Tag und zwei weiteren Übungseinheiten im Pool hatte ich meinen Wortschatz um zwei Wörter erweitert. “Pivotieren” und “Hovern” sollten dazu beitragen an meiner Tarierung zu arbeiten. Dennoch klebte ich wie ein Sandsack am Boden des Pools. Nach zwei Schwimmzügen ohne Maske verkündete mir mein Tauchlehrer: “so und morgen dann das Ganze im Freiwasser”. Also ich freute mich schon, irgendwie.

Das erste Mal Tauchen im Meer

Mit dem Boot ging es raus zu einem der lokalen Tauchplätze Pesebre. Nachdem ich die Ausrüstung zusammengefrickelt, überprüft und mich und meinen Buddy gecheckt habe, wird es ernst. Mit einer Rolle rückwärts in den Pazifik. Kurze Lagebesprechung, Jacket leer machen und dann passiert nichts. Mit den Füßen zuerst sollte ich mich langsam am Ankerseil auf 8 m absinken.

Das wollte nicht klappen. Ich versuchte es mit dem Kopf zuerst. Dabei riss ich die Ankerleine aus dem Boden, verlor die Orientierung, da meine Brille mittlerweile beschlagen war und verschluckte mich. Vermutlich an meiner eigenen Courage. Mein erster Tauchgang dauerte 2 Minuten. Nein, da will ich jetzt nicht noch Mal runter, teilte ich meinem Tauchlehrer mit.

Mit einer Mischung aus meiner restlichen Panik und Tränen erstickender Wut über mich selbst, wartete ich auf die Rückkehr der restlichen Gruppe. Nach der Oberflächenpause war ein weiterer Tauchgang vorgesehen. Mir fiel immer wieder die Sache mit dem abgeworfenen Reiter ein. Direkt wieder aufsteigen, sonst entwickelt man nur unnötige Angst.

Die zweite Rolle rückwärts. Diesmal gelang das mit dem Abstieg auch etwas besser. Ich durfte mich erst mal an die Umgebung gewöhnen. Von dem Fluten der Maske oder sonstigen Übungen fühlte ich mich meilenweit entfernt. Nach 20 min hatte ich meine Flasche leer gesaugt. Wollte ich wirklich Tauchen lernen?

Meine ausbleibende Euphorie stand mir ins Gesicht geschrieben und auch der Tauchlehrer zeigte sich nicht begeistert. Ich sollte eine Nacht drüber schlafen, ob ich die Ausbildung abschließen möchte. Nach einem intensiven Zwiegespräch mit meinen Ängsten, erstellen von Pro- und Contra-Listen, formierte sich ein klares JA.

Am zweiten Freiwassertauchtag schüttelte ich fleißig die Hand meines Tauchlehrers. Das Zeichen, dass ich die Übungen aus dem Pool auch im Meer gemeistert habe. Nachdem ich auch die potenziellen Notsituationen, in die ein Taucher oder mein Buddy kommen kann, durchgespielt hatte, war die Zielgerade so gut wie erreicht.

Der Pazifik ist zu Beginn der Regenzeit nicht anfängerfreundlich. Was Gegenströmung bedeutet, merkte ich als ich stoisch mit dem Kompass in der Hand gegen eine Wand aus Wasser anschwamm. Das Ziehen an meiner Flosse und ein erneutes Händeschütteln beendeten meine letzte Herausforderung für diesen Tauchgang.

Zum krönenden Abschluss sprang ich ein drittes Mal für diesen Tag ins Wasser. Ohne Ausrüstung. Dass ich zurück an Land schwimmen sollte, war auch nach erneutem Nachfragen kein Scherz. Noch ein bisschen Papierkram, freundlich Lächeln für das Siegerfoto äh Ausweisfoto und Tada ich war zertifizierter Open Water Diver.

Mein Resümee

Wenn mich Leute fragen, wie das Tauchen auf Costa Rica so war, erzähle ich jedes Mal, die gleiche Lüge. Lohnt sich nicht. Aber das ist Quatsch. Ich kann es nicht beurteilen, von der Unterwasserwelt habe ich rein gar nichts mitbekommen. Viel zu sehr war ich mit mir und meinem Finimeter beschäftigt. Die Bedingungen Anfang Mai waren recht tough für mich als blutigen Anfänger. Aber auch das wird ein Taucher mit mehr Erfahrung anders beurteilen.

Ein paar Entscheidungen würde ich jetzt anders treffen. Die Theorie online zu machen, verkürzt die Ausbildung um ein paar Stunden. Ein Tauchlehrer, der über potenzielle Gefahren und Notsituationen informiert diese aber auch relativiert, würde ich heute dem Online-Kurs vorziehen. Meinen AOWD habe ich im spiegelglatten Roten Meer mit einer tollen Sicht gemacht. Wenn ich vergleiche, ist klar, in welcher Umgebung ich mich sicherer und wohler gefühlt habe. Die Ausbildung für den OWD hat vier Tage in Anspruch genommen. Die Fahrerei zur 15 km weit entfernten Tauchbasis war zu bewältigen, praktischer ist es eine Unterkunft mit angeschlossener Tauchbasis zu wählen.

Wo hast du deinen OWD gemacht oder planst ihn zu machen?

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