Mit den Zackenbarschen auf Tuchfühlung – Tauchen auf Madeira

Tauchen beim 8-fachen Gewinner des Tauchen Awards für die „Beste Tauchbasis im Atlantik“. Tauchen bei Manta Diving Madeira. Meine Erwartungshaltung war zugegebenermaßen keine kleine. Seit ich mit dem Tauchen angefangen habe, läuft meine Urlaubsplanung anders ab. Die Prioritäten haben sich verschoben. Andere gehen in schicke Hotels. Für mich stehen die Tauchplätze und eine vernünftige Tauchbasis im Vordergrund. Wenn das Ziel meiner Wahl auch über Wasser was zu bieten hat, verspricht es ein perfekter Urlaub zu werden. Die Vorzeichen für Madeira stehen gut.

Manta Diving Madeira existiert bereits seit 1982 und war die erste Tauchschule auf Madeira. Die Basis liegt in Caniço de Baixo etwa 10 km vom Flughafen Funchal entfernt. Überaus freundlich werden mein Buddy und ich vom Team der Basis empfangen. Nach dem obligatorischen Papierkram gibt es eine Führung durch die Basis und den Kompressorraum. Für unser Tauchequipment stehen zwei Trockenräume und genügend Aufhängemöglichkeiten in der Sonne zur Verfügung. Solltet ihr kein komplettes eigenes Equipment haben, könnt ihr es in der Basis leihen. Die Atemregler von Mares werden alle zwei Jahre ausgetauscht und auch das restliche Leihequipment macht einen tadellosen Eindruck.

Blick auf die Basis von Manta Diving Madeira

 

Wenig später geht es für den Check Dive ins Wasser. Freunden von Hausrifftauchgängen wird einiges geboten. Die Basis des Manta Diving Centers liegt mitten im Unterwasser Nationalpark Garajou. Ganze vier Tauchplätze lassen sich von der Basis komfortabel erreichen. Der Einstieg erfolgt mit dem angezogenen Equipment über Leitern. Brevetierte Buddy-Teams mit mindestens 25 Tauchgängen haben die Möglichkeit die Tauchspots auf eigene Faust zu erkunden. Die Basis öffnet morgens um 9 und die letzten Flaschen werden um 15 Uhr ausgegeben. Zur Wahl stehen 10 l, 12 l oder 15 l Stahlflaschen wahlweise mit Luft oder Nitrox befüllt. Für Taucher ohne festen Buddy werden zweimal täglich geführte Tauchgänge angeboten

Lavafinger

Den Tauchgang startet ihr von der Bucht aus Richtung Westen. Vorbei an einer kleinen Höhle. An der Steilwand trefft ihr auf die ansässige Maskenmuräne Esmeralda. Gönnt euch eine kleine Verschnaufpause im Sand. Hier habt ihr den perfekten Blick auf ein Röhrenaalfeld. Mit etwas Glück stoßt ihr hier auf Stachelrochen. Ich hatte Glück! Am Ende des fingerförmigen Riffs findet ihr ein Loch im Fels. Hier treibt sich viel Fisch rum. Für UW-Fotografen das perfekte Motiv. Die Tiefe beträgt 5 m – 34 m und es gibt keine bis wenig Strömung.

 

Arena

Mein persönliches Highlight. Um den Tauchplatz zu erreichen, wählt ihr den westlichen Einstieg. Entweder geht ihr an der Boje runter oder taucht bereits kurz nach der Leiter ab. Bei sonnigem Wetter empfehle ich einen direkten Abstieg. Das Lichtspiel über den hellen Felsen ist atemberaubend. Das halbkreisförmige Riff zeichnet sich durch imposante Felsformationen und einen lichtdurchfluteten Tunnel aus. Als wenn das nicht schon genug wäre, ist an dem Tauchplatz auch ordentlich was los. Euer Tauchgang wird begleitet von Brassenschwärmen, Trompetenfischen, Zackenbarschen, bunten Papageifischweibchen und Drückerfischen. Letztere waren gar nicht glücklich über unseren Besuch. Die Kameraden können einem ganz schön auf die Pelle rücken. Wie auch am Lavafinger lohnt es sich im Sand nach Stachelrochen Ausschau zu halten. Die Tiefe beträgt 5 m -25 m und es gibt keine bis wenig Strömung.

 

Ponta da Oliveira

Den Tauchplatz erreicht ihr über denselben Einstieg wie zum Lavafinger. Taucht dann in Richtung Osten, bis ihr die Steilwand erreicht. Stefan, der Basisleiter, gab uns den wertvollen Tipp den Tauchgang erst mal flach zu beginnen. An der Steilwand kann die Gegenströmung, besonders auf dem Rückweg, streng sein. Kein Grund Panik zu bekommen. Wenn die Strömung heftig um die Ecke bläst, könnt ihr euch notfalls am Fels entlang hangeln. Alternativ habt ihr wie ich einen netten Buddy, der euch an der Flasche vorwärts schiebt. An diesem Tauchplatz müsst ihr Lust auf die kleinen Lebewesen haben. An der Wand könnt ihr Gespensterkrabben, Seesterne, Drachenköpfe und Garnelen beobachten. Die Steilwand erstreckt bis zu einer Tiefe von 28 m. Bei Strömung nichts für Tauchanfänger.

 

Ein Stück hinter der Steilwand befindet sich der östlichste Tauchspot des Hausriffs. Die Höhle Ponta da Oliveira. Aus Umweltschutzgründen werden nur geführte Tauchgänge mit maximal 5 Tauchern + Guide angeboten. Ab und zu wird hier eine der selten gewordenen atlantischen Mönchsrobben gesichtet. Ein Grund mehr die Insel ein zweites Mal zu besuchen. Die Höhle habe ich während meines einwöchigen Aufenthalts nicht mehr geschafft zu betauchen.

Ein extra für Taucher ausgelegtes Aluschnellboot steuert mehrmals pro Woche verschiedene Tauchspots in der näheren Umgebung an. Darunter auch das Cap Garajau. Der Tauchplatz wurde 2003 von der Zeitschrift Unterwasser zu einem der „100 besten Tauchspots der Welt“ gekürt. Eigentlich würde ich euch jetzt von den riesigen und zutraulichen Zackenbarschen vorschwärmen. Eigentlich. Mein Tauchkarma meinte es diesmal nicht gut mit mir. Die Strömung war an diesem Tag recht streng. Ich habe mich nicht wirklich wohlgefühlt und nach kurzer Verständigung mit meinem Buddy wurden wir auch bereits vom Fels und der übrigen Gruppe abgetrieben. Ein chaotischer 101 Tauchgang in meinem Logbuch.

Schweren Herzens hänge ich meinen Neopren nach einer Woche das letzte Mal zum Trocknen auf. Meine Erwartungen wurden nicht nur erfüllt, sondern übertroffen. Manta Diving Madeira ist eine perfekt organisierte Tauchbasis. Das Team steht jedem Gast mit Rat und Tat zur Seite. Selbst in den Stoßzeiten ist stets mit Unterstützung oder einem individuellen Briefing zu rechnen. Die Daumen für die nächsten Awards sind gedrückt.

Beste Reisezeit

Von Mai bis Oktober. Die Wahrscheinlichkeit die imposanten Stechrochen zu Gesicht zu bekommen, ist im Mai und Juni am höchsten. In den Monaten Juli – September steigen die Chancen für Manta-Sichtungen. Die Zackenbarsche sind standorttreu und das ganze Jahr über anzutreffen.

Wassertemperaturen

Zwischen 18-25 Grad ohne Sprungschicht. Während meines Aufenthalts, Anfang Juli, hatte das Wasser um die 21 Grad. Kältempfindliche Taucher sind mit einem 7 mm Anzug bestens ausgerüstet. Ansonsten klappt es auch mit einem 5 mm Anzug bei zwei Tauchgängen pro Tag gut.

Unterkunft

Die Tauchbasis liegt unterhalb der Galo-Resorts. Zu dem Hotelkomplex gehören zwei vier Sterne und ein drei Sterne Hotel. Ich habe mich für die günstigste Variante und für das Hotel Galomar entschieden. Die Zimmer sind zweckdienlich eingerichtet und sehr sauber. Ende 2017 soll die Anlage rund um erneuert und im Frühjahr 2018 neu eröffnet werden. Die Tauchbasis vermittelt darüber hinaus auch kleine Garten-Apartments in unmittelbarer Nähe.

 

Wie lautet dein Tipp für eine Tauchreise innerhalb Europas?

 

 

 

 

8 Comments

  1. Ines 23. Juli 2017 at 17:24

    WOW!!! So tolle Bilder. Ich würde gerne jetzt gleich buchen 🙂 diesen Sommer haben wir bereits einiges vor, aber die Möglichkeit Mantas zu sehen ist natürlich sehr reizvoll 🙂 Wir durften die sanften Riesen bereits auf den Malediven und in Mexiko sehen, aber man sagt ja immer: alle guten Dinge sind 3 🙂
    Liebe Grüße Ines

    Reply
    1. Annette 23. Juli 2017 at 18:17

      Danke Ines, ich kann Madeira wärmstens empfehlen. Selbst wenn ihr nicht so viel Tauchen gehen wollt, gibt es über Wasser viel zu entdecken.

      Liebe Grüße
      Annette

      Reply
  2. Miriam 24. Juli 2017 at 18:14

    Ach Mädels, Malediven, Mexiko und Madeira…jetzt will ich auch wieder! Irgendeinen tipp für eine Woche urlaub, Reisezeit im November? Ach ja, und dieses Jahr ist kein großes Budget mehr vorhanden. Also keine Wahnsinns Atolle oder so 😉
    Was meinst Du Annette?

    Lg Miriam

    Reply
    1. Annette 18. August 2017 at 12:20

      Liebe Miriam, dein Kommentar ist erst mal blöd im Spam gelandet 🙁 Hmmm, November…Schon mal über Jordanien nachgedacht? Ein sehr sicheres Reiseland und budgettechnisch auf jeden Fall bezahlbar!

      Reply
  3. Britta Schmidt 20. August 2017 at 18:16

    Liebe Annette,

    weil mich Madeira sehr interessiert, bin ich auf Deinen Artikel gestoßen. Vor vielen JAhren habe ich versucht zu Tauchen. Doch mir fehlt die innere Ruhe dafür. Durch Deine Zeilen habe ich wieder neue Motivation bekommen. Das Diving Center sieht super aus. Da ich gern auf die Malediven reise und dort immer nur schorchele, würde Tauchen natürlich der nächste Kick sein. Ich werde es erst einmal im warmen WAsser versuchen – und dann auch mal nach Madeira fahren!

    Danke für diese Anregung.

    LG,
    Britta

    Reply
    1. Annette 20. August 2017 at 19:50

      Liebe Britta,

      das freut mich, dass ich dich durch meinen Artikel motivieren konnte dem Tauchen noch eine Chance zu geben. Ja, das mit der inneren Ruhe kann ich gut nachvollziehen. Ich habe auch eine Zeit gebraucht, bis ich mich Unterwasser richtig wohl gefühlt habe. Selbst jetzt kann es immer noch passieren, dass ich einen Tauchgang abbreche, weil es nicht passt. Das Tauchcenter kann ich dir auf Madeira auf jeden Fall empfehlen. Sie nehmen sich für jeden Taucher viel Zeit, unabhängig ob Anfänger oder Fortgeschritten. Auf die Malediven möchte ich auch endlich mal. Ich stöbere gleich mal bei dir nach Inspirationen.

      Liebe Grüße
      Annette

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  4. Selda Eigler 9. September 2017 at 21:46

    Hallo Annette,
    klasse Fotos. Geht nur so gut mit der richtigen Ausrüstung und gutem Fotografen. Ich habe großen Respekt vor dem Meer. Schnorcheln geht gerade noch, aber tauchen…das löst schon bei der Vorstellung bei mir Panik aus😂 Umso mehr freue ich mich über deine Berichte. So kann ich das miterleben. Die Tiere so nah zu sehen. Klasse. Liebe Grüße aus dem Rheingau.

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    1. Annette 10. September 2017 at 8:18

      Hallo Selda,
      vielen Dank! Ja, besonders das Fotografieren unter Wasser macht mir großen Spaß.
      Besonders hierfür ist die Ausrüstung nur leider echt teuer.
      Das mit der Panik kann ich auch nachvollziehen. Mir ging es bei meinen ersten Tauchgängen nicht anders.
      Die Unterwasserwelt und das schwerelose Gefühl hat mich dann aber doch so verzaubert, dass ich dabei geblieben bin. Je mehr Routine man bekommt, um so sicherer wird man. Ein wenig wie beim Autofahren.
      Liebe Grüße zurück aus Berlin

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