Tauchen – Essen – Schlafen. Eine Woche Tauchsafari in Ägypten

Ich bin eine Wiederholungstäterin. Nach Ägypten hat es mich nunmehr das 5. Mal verschlagen. Die Bedingungen zum Tauchen im Roten Meer sind einfach zu gut, um nicht immer wiederzukommen. Die Auswahl an Safaribooten in jedem Preissegment und Komfortklasse tut sein übriges. Im Jahr zuvor hatte ich das Glück mit nur sechs weiteren Tauchern eine Woche auf der Südtour in St. Johns verbracht zu haben. Schnell wurde aus uns Sechsen eine eingeschworene Gemeinschaft. Eine Woche, an die ich mit einem warmen Gefühl in der Herzgegend zurückdenke. Gute Dinge muss man wiederholen. 1:1 hat es in diesem Jahr leider nicht geklappt.

Das verregnete Berlin verlassen mein Tauchbuddy und ich in freudiger Erwartung zwei unserer Mittaucher aus dem letzten Jahr wiederzusehen. Nach ein paar abstimmenden Telefonaten ist unsere Wahl auf ein kleineres Safariboot gefallen. Die SimSim Dive wurde 2016 komplett modernisiert und ist noch neu auf dem Markt. Die kleine Schwester SimSim als Tagesboot mit ihren Delfintouren aber bereits ein etablierter Hase.

Wir verbringen ein paar Tage in einem Pauschaltouristenbunker in Hurghada, um zu akklimatisieren. Nicht meine erste Wahl. Ich verbringe die Tage wie auf heißen Kohlen und warte drauf wieder ins Wasser zu kommen. Donnerstagmittag wuchten wir unser Gepäck in einen kleinen Minibus, der uns zum Hafen bringt. Tauchen und Fotografieren – eine schlechte Kombi, wenn es um das Reisegepäck geht. Turkish Airline sein Dank, haben wir alles in der Freigepäckgrenze aufgeben können. Da nimmt man auch den Zwischenstopp in Istanbul und die längere Anreisezeit in Kauf.

An Bord herrscht noch Trubel, die Gäste vor uns haben erst am Morgen das Boot verlassen. Lukasz und Samir, die beiden Inhaber, nehmen sich dennoch die Zeit uns zu begrüßen und uns alles zu zeigen. Die SimSim Dive verfügt über 8 liebevoll eingerichtete Doppelkabinen auf dem Unterdeck, einen geräumigen und freundlich gestalteten Salon mit großen Flatscreen für die Briefings und ausreichend Platz, um die Mahlzeiten entspannt einnehmen zu können. Für den abendlichen Zeitvertreib gibt es eine Playstation und eine große Auswahl an Filmen an Bord. Bademäntel für jeden Taucher und gemütliche Sitzsäcke auf dem Sonnendeck zeugen davon, dass hier das Augenmerk auf dem Wohl der Gäste liegt. Ich bin mehr als zufrieden, dass die Wahl auf dieses Safariboot gefallen ist. Nach und nach trudeln die weiteren Gäste ein. Am frühen Abend auch unsere Tauchfreunde aus Frankfurt. Wie schön die beiden wiederzusehen. Ein letztes Mal setzten wir unsere Füße aufs Land und schlendern am Pier entlang. Am Abend herrscht buntes Treiben an der Marina in Hurghada, die tagsüber wie ausgestorben wirkt. Die erste Nacht verbringen wir im Hafen, trotz Motorenlärm schlummere ich durch die Wellenbewegungen schnell ein. Endlich wieder auf dem Wasser.

Tauchsafari auf der SimSim Dive

Shaab el Erg

Den ersten Tauchtag lassen wir entspannt angehen. Nach dem Frühstück laufen wir aus dem Hafen aus und steuern unseren ersten Tauchplatz Shaab el Erg, auch bekannt als Dolphinhouse, an. Beim Abtauchen begegnen wir einem großen Napoleon. Hach, was habe ich das Rote Meer vermisst. Nach dem Check Dive verbringen wir den Nachmittag ebenfalls hier. Ich sehe das erste Mal einen Teufelsfisch Unterwasser. Er gehört zur Familie der Steinfische und zeichnet sich durch seine prägnanten rot leuchtenden Brustflossen aus.

Wracks Dunraven und Thistlegorm

Für den zweiten Tag stehen die ersten Wracks auf dem Plan. Den Early Morning Dive beginnen wir an dem Tauchplatz Shaab Mahmoud/Beacon Rock und dem Wrack der Dunraven. Delfine begleiten unser Zodiac. Ein Morgen ganz nach meinem Geschmack. Nach dem Frühstück steuern wir Shag Rock und das Wrack der Kingstone an. Ein sehr schöner Tauchplatz mit einem wunderschönen Korallengarten. Ein Igelfischpärchen flitzt durch die Trümmer des Wracks. Weiter geht es zu einem der Highlights jeder Wracksafari. An das Wrack der Thistlegorm. Obwohl ich das Wrack bereits vor zwei Jahren zum erste Mal betaucht habe, bin ich nach wie vor fasziniert von den Dimensionen und dem Lichtspiel im Inneren des Wracks. Die Strömung wird zum Abend hin um einiges heftiger, als am Nachmittag. Die auf 5m angebrachte Pressluftflasche für den Notfall liegt waagerecht in der Strömung. Der Abstieg am Seil erweist sich als abenteuerlich. Langsam tasten wir uns am Deck der Thistlegorm entlang und beschließen nach einer guten halben Stunde, dass das genug Action für diesen Tag war.

Wrack Rosalie Moller

Spiegelglatt begrüßt uns das Meer am nächsten Morgen. So als ob nichts gewesen wäre. Wir sind alleine Wrack der Rosalie Moller. Ein Tauchplatz, auf den ich mich schon seit Begin der Tour gefreut habe. Das britische Frachtschiff ist nur zwei Tage nach dem Untergang der Thistlegorm von zwei deutschen Bombern versenkt worden. Befindet sich aber in einem unberührterem Zustand als die Thistlegorm, an der immer wieder Souvenirjäger ihr Unheil getrieben haben. Das Wrack zählt nicht umsonst in Taucherkreisen als legendär. Bereits der Abstieg verursacht eine wohlige Gänsehaut. Wie aus dem Nichts taucht das imposante Wrack unter uns auf. Fischschwärme umkreisen die Aufbauten und eine mystische Aura umgibt den massiven Koloss aus Stahl. Aufgrund der Tiefe, in der das Wrack liegt, zählt es zu den anspruchsvolleren Tauchgängen. Die tiefste Stelle beträgt 52m. Wir geben uns mit der Erkundung des Decks und einer Tauchtiefe von knapp 40m zufrieden. Tief genug, dass kaum ein Taucher das Wasser ohne seinen Dekostopp auf 5m abzusitzen, verlässt. Nach dem Frühstück und einem Nickerchen auf dem Sonnendeck tauchen wir an meinem Lieblingswrack im Roten Meer. An der Ghiannis D.

Wracks Giannis D. und Kimon M.

Das erste Mal seit unserem Beginn unserer Safari sind wir von anderen Booten umzingelt. Dennoch schafft es unser Guide Tamer einen Slot abzupassen, an dem wir das Wrack fast für uns alleine haben. Den letzten Tauchgang bestreiten wir ebenfalls in Sha’ab Abu Nuhas. Die Kimon M. ist das letzte Wrack am Riff. Das deutsche Frachtschiff sang 1978. Da ich bis auf die Rosalie Moller, bereits alle Wracks schon betaucht habe, ist die Kimon M. eine schöne Abwechslung. Zumal das Wrack mit seinen 120 Metern auch nicht gerade ein Winzling ist. Der Tag ist nicht nur aufgrund seiner, für mich neuen, Tauchspots lehrreich gewesen. Bei zwei Tauchgängen gab es im Nachhinein Unmut aufgrund von einem Mangel an Kommunikation. Alles nicht dramatisch, aber ich lerne, dass klare und detaillierte Absprachen zwischen deinem Tauchbuddy das A und O sind. Egal, ob ihr nun mit oder ohne Guide ins Wasser geht.

Wrack Ulysses, Small Gubal Island, Gezira Syul Kebir und Umm Usk

Hätte ich vor dem Sprung ins Wasser gewusst, welche Überraschung uns am vierten Tag während des Early Morning Dives erwartet, ich hätte vor Vorfreude in der Nacht kein Auge zugetan. Wir tauchen ab an der Ulysses, ein eher unspektakuläres Wrack, das bereits sein Dasein seit über 100 Jahren am Grund des Roten Meeres fristet. Das Riff ist mit seiner Fülle an Drachenköpfen und Steinfischen interessanter. Den Tauchgang werde ich nicht so schnell vergessen. Grund dafür eine Gruppe von fünf Delfinen, die scheinbar aus dem Nichts neben mir auftauchen. Ich kann mein Glück kaum fassen, schaffe es gerade so mit der einen Hand meinen Buddy kräftig an der Flosse zu ziehen und mit der anderen Hand den Auslöser meiner Kamera im Sekundentakt zu betätigen. Augenblicke später ist der Spuck vorbei und lässt fünf freudenstrahlende Taucher zurück. Für die restlichen Tauchgänge an diesem Tag gönnen wir uns eine Pause vom Altmetall. Wir machen einen gemütlichen Driftdive an Small Gubal Island und ich verpasse einen Adlerrochen im Blauwasser in Gezira Syul Kebir. Nach dem Tauchgang am Morgen ist das zu verkraften. Für den Nachttauchgang steuern wir Umm Usk an. Eine gute Wahl unserer Guides. Zwischen den Korallen wuselt eine blaue Muräne umher und eine Ecke weiter stoßen wir auf einen riesigen Muschel-Bärenkrebs. Am meisten begeistert haben mich die Gorgonenhäupter. Sie gehören zur Klasse der Schlangensterne und strecken ihre filigrane Arme nur nachts aus. Tagsüber leben sie versteckt in Spalten.

Wracks Carnatic und Marcus, Eruk Abu Nugar, Umm Gammar und Fanadir Nord

Da wir an Bord ein paar eingefleischte Wrackenthusiasten haben, kehren wir am fünften Tag zurück an den Schiffsfriedhof Abu Nuhas. Den Early Morning Dive am Wrack der Carnatic kann ich nicht richtig genießen. Mein Tauchcomputer meckert bereits nach einer kurzen Grundzeit. Trotz moderater Tiefe verpasst er mir eine Dekozeit von 10 Minuten. Beim zweiten Tauchgang verzichte ich darauf mir das Wrack Marcus aus nächster Nähe anzuschauen und erkunde lieber das Riff. Ein besonders schönes Riff zum Fotografieren ist Eruk Abu Nugar, welches wir am Nachmittag betauchen. Die Lichtverhältnisse sind ideal und eine Menge kleines Zeug lädt zum Verweilen in geringen Tiefen ein.

Der letzte Tauchtag auf der SimSim Dive bricht an, am Nachmittag geht es zurück in den Hafen nach Hurghada. Ein Tauchgang in Umm Gammar und Fanadir Nord bescheren uns zum Abschied eine Fülle von Drachenköpfen und prächtige Korallengärten. Jetzt heißt es Logbuch schreiben, Stempel verteilen und Pläne schmieden wo es als Nächstes hin geht. Wieder Land unter den Füßen zu haben fühlt sich befremdlich an.

Ein Fun Fact zu guter Letzt. Nachdem ich meinen Tauchcomputer in den letzten Tauchtagen am liebsten über Bord gefeuert hätte, da ich kaum einen Tauchgang ohne Deko beendet habe. Muss ich nach dem Studieren des Manuals feststellen, dass ich beim Rumspielen wohl als Profil „Bergsee“ eingestellt habe. Die Berechnung somit von einem verminderten Umgebungsdruck und kürzeren Nullzeiten ausgeht. Memmo an mich selbst, das nächste Mal das Ding in Ruhe lassen.

 

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