Tauchen während der Schwangerschaft

Rauchen, Alkohol und rohes Fleisch. Dass ihr auf diese Dinge während der Schwangerschaft verzichtet solltet, ist keine neue Erkenntnis. Aber wie verhält es sich mit dem Tauchen? Die Antwort ist leider eindeutig. Tauchen ist ein absolutes No Go, sobald ihr wisst, dass ihr schwanger seid. Die Gründe dafür gehen auf eine Handvoll Studien zurück und basieren in der Tat auf Annahmen. Aus nachvollziehbaren Gründen gibt es keine Studien mit schwangeren Frauen.

Stand der Wissenschaft

Die meisten Artikel, die sich mit der Thematik befasst haben, beziehen sich auf eine Untersuchung aus dem Jahr 1980, die in dem Fachjournal “Undersea Biomedical Research” erschienen ist. 209 schwangere Frauen wurden untersucht. Darunter 109 Frauen, die während der Schwangerschaft getaucht sind. Die Gruppe der nicht getauchten Frauen brachten gesunde Kinder zur Welt, während in der Gruppe der getauchten Frauen 5,5 % der Kinder mit Geburtsfehlern zur Welt brachten. Die Ergebnisse mögen auf den ersten Blick recht eindeutig sein, allerdings bewegen sich die 5,5 % in einem normalen und nicht eindeutig interpretierbaren Spektrum.

Weitere Studien haben sich ausschließlich mit Tieren beschäftigt. Die Plazenta von Schafen weist eine große Ähnlichkeit zur weiblichen Plazenta auf. In einer Druckkammer wurden mit den trächtigen Tieren, die Bedingungen, die beim Tauchen vorherrschen, simuliert. Bei den trächtigen Schafen konnte ein höheres Auftreten der Sterblichkeit des Fötusses beobachtet werden. Eine andere Studie wurde mit trächtigen Hamstern durchgeführt. Hamster mit einer unbehandelten Dekompressionskrankheit (DCI) brachten ihre Junge mit schweren Gliedmaßen- und Schädelanomalien zur Welt. Während bei den Nachkommen der Hamster mit behandelter DCI die Missbildungen der Nachkommen deutlich weniger auftraten. Allerdings muss angemerkt werden, dass die Hamster ohne DCI wenig Unterschiede zu der Kontrollgruppe mit nicht tauchenden Hamstern aufwiesen.

Erhöhtes Risiko während des ersten und dritten Trimesters

Vonseiten der Wissenschaft wird vermutet, dass das Gerätetauchen hauptsächlich negative Auswirkungen während des ersten und dritten Trimesters hat.

Im ersten Trimester können die Auswirkungen von Sauerstoff, der durch Druck konzentriert wird, Schäden am sich entwickelnden Fötus auslösen. Darunter gehören:

  • verringertes Gewicht
  • abnormale Schädelentwicklung
  • missgebildete Gliedmaßen
  • abnormale Entwicklung des Herzens

Vor allem im dritten Trimester kann eine Dekompressionskrankheit der Mutter große Auswirkungen auf den Fötus haben. Die Stickstoffblasen werden nicht durch die Lunge gefiltert. Der Fötus wird nur über die Nabelschnur mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt. Die Lungen ist vor der Geburt des Kindes noch nicht entfaltet. Die durch die Dekompression entstehenden Stickstoffblasen bilden sich zunächst im Blut der Mutter und werden über die Nabelschnur in den kindlichen Kreislauf transportiert. Die Plazenta stellt zwar einen natürlichen Filter dar, kann aber bei einer überkritischen Sättigung versagen. Das birgt das Risiko einer Stickstoffembolie der Plazenta oder des Fötus. Selbst bei einer geringen Tauchtiefe ist es nicht vollkommen ausgeschlossen, dass es nicht zu einer Bildung von Gasblasen kommen kann. Der natürliche Anstieg des Körperfettanteils während der Schwangerschaft kann das Risiko einer Dekompressionskrankheit zusätzlich fördern.

Weitere Gründe, die gegen das Tauchen während Schwangerschaft sprechen

Neben den Risiken für das ungeborene Kind gibt es, im Verhältnis nebensächliche, Gründe um auf das Tauchen während der Schwangerschaft zu verzichten. Wie z.B. das eure Ausrüstung nicht mehr richtig passt oder störend auf euren Schwangerschaftsbauch drückt. Eine andauernde Schwangerschaftsübelkeit ist ebenfalls keine gute Ausgangssituation für einen entspannten Tauchgang. Darüber hinaus kann der sogenannte Schwangerschaftsschnupfen einen Druckausgleich erschweren und ein Barotrauma begünstigen.

Die vorgestellten wissenschaftlichen Betrachtungen sind stark veraltet und nicht immer eindeutig. Die anatomischen Unterschiede zwischen den Versuchstieren und uns Menschen führen ebenfalls nicht zu belastbaren Ergebnissen. Dennoch sind sich alle Tauchverbände und Tauchmediziner einig, dass das Tauchen während der Schwangerschaft ein zu großes Risiko für euer ungeborenes Kind darstellt. Ihr braucht aber dennoch nicht in Panik verfallen, wenn ihr Tauchen gewesen seid, bevor ihr von eurer Schwangerschaft wusstet. Hier ist sich die Wissenschaft einig. Das Tauchen während der ersten Wochen der Schwangerschaft wirkt sich nicht negativ auf die Entwicklung des Fötus aus.

Für alle, die auf die Unterwasserwelt während der Schwangerschaft nicht verzichten wollen, bietet sich das Schnorcheln als bedenkenlose Alternative an.

2 Comments

  1. LittleMissSunshine 31. März 2018 at 10:18

    Herzlichen Glückwunsch Euch beiden! Schön, dass es endlich geklappt hat. Du wirst eine richtig tolle Mama werden. Ich habe schon die perfekte Geschenkidee für die kleine Wasser-Nixe bzw. den kleinen Neptun 🙂

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    1. Annette 31. März 2018 at 20:01

      Haha, nein ich bin nicht schwanger. Finde nur das Thema interessant. Für viele Frauen die Tauchen und sich über Familienplanung Gedanken machen ja nicht ganz unerheblich 😉

      Liebe Grüße
      Annette

      Reply

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