Eine Safari durch Tsavo West, Amboseli und Tsavo East Teil I

Eine Reise nach Kenia ohne eine Safari ist wie warmes Bier. Kann man machen, sollte man aber nicht, wenn es sich vermeiden lässt.

Meine erste Safari! Vor dem Weckerklingeln bin ich hellwach, habe meinen Kamerarucksack und ein paar Wechselklamotten gepackt und sitze die Zeit ab, bevor der Jeep vorfährt, um uns abzuholen. Ja, ich freue mich wie ein kleines Kind auf seine Geburtstagsgeschenke.

Wir kämpfen uns durch den frühmorgendlichen Verkehr in Mombasa. Nichts für schwache Gemüter. Ein Chaos aus Autos, Matatus – Sammeltaxen, die das wichtigste Transportmittel des öffentlichen Nahverkehrs in Kenia sind, Motor- und Fahrrädern. Ich bin froh, als wir die Stadt hinter uns gelassen haben. Auf dem Highway steuern wir der erste Etappe entgegen.

Tsavo West

Der Mombasa-Nairobi Highway und die Uganda Bahn teilt den Tsavo Nationalpark in zwei Hälften. Beide Parks können separat voneinander besucht werden. Durch die landschaftlichen Unterschiede macht der Besuch in beiden Hälften Sinn. Tsavo West ist mit seinen 9000 km² der kleinere von den beiden Nationalparks. Beide Parks umfassen insgesamt 21.812 km². Eine Grundfläche, die dem des Bundeslandes Hessens entspricht. Hügelige Savannen und dichte Galeriewälder bestimmen die Landschaft.

Landschaft Tsavo West
Tsavo West

Kaum passieren wir das Gate, können wir einen Haken hinter den ersten der “Big Five” machen. Am Wegesrand liegt ein staatlicher Leopard in der Sonne. Unser Guide ist vollkommen aus dem Häuschen und versichert uns mehrmals, wie glücklich wir uns schätzen können. Tun wir. Ein paar Meter weiter blitzt es rot zwischen den Büschen hervor. Ein Elefantenbulle nimmt sein Mittagessen zu sich. Die roten Elefanten sind eine Besonderheit des Tsavo Nationalparks. Die Farbe stammt durch die rote Erde, mit der sich die Tiere duschen, um sich vor Insekten zu schützen und sich Kühlung zu verschaffen. Ein wunderbarer Kontrast zum satten Grün, das durch die beginnende Regenzeit überall sprießt.

Gruppen von Zebras ziehen an unserem Jeep vorbei und ich knipse mir die Finger wund. Ohne zu ahnen, dass ich bis zum Ende der Safari Zebras als so gewöhnlich wie Hunde auf der Straße empfinden werde. Mit dem Erreichen unserer Lodge und Bleibe für die erste Nacht endet unser erster Game Drive. Zeit den Blick beim Mittagessen über diese atemberaubende Landschaft schweifen zu lassen. Ich bin glücklich und ein bisschen überwältigt von dieser Kulisse, die fast zu perfekt wirkt, um echt zu sein.

Am späten Nachmittag brechen wir zu unserem nächsten Game Drive auf. Langsam beginne ich die verschiedenen Gazellen-und Antilopenarten auseinanderzuhalten. Ganz besonders angetan haben es mir die Dik Diks. Die kleine Antilope hat ihren Namen dem Signal zu verdanken, das sie von sich gibt, sobald Gefahr droht. Mit ihren langen Wimpern und großen Augen wirkt sie wie das personifizierte Kindchenschema. Nur die Männchen haben kurze, spitze Hörner. Die Tiere trefft ihr besonders in den baumreichen Regionen stets als Paar an.

 

In der Hoffnung das ein oder andere Flusspferd vor die Linse zu bekommen machen wir halt an den Mzima Springs. Einer der wenigen Orte, an denen ihr das Auto in Tsavo West verlassen dürft. Begleitet von einem bewaffneten Ranger machen wir uns zu Fuß auf den Weg. Ein etwa 1 km langer Rundweg führt uns entlang am des vom Kilimandscharo gespeisten Gletschersees. Das fischreiche Wasser ist glasklar. In der Mitte des Weges befindet sich ein Aussichtspunkt mit einer Glasfront unterhalb der Seeoberfläche. Mit etwas Glück trefft ihr neben den Flusspferden auch Krokodile an.

Meine anfängliche Irritation über den breit grinsenden aber bewaffneten Ranger schwindet, als er uns verdeutlicht, dass Nilpferde zwar putzig anzusehen sind, aber zu den gefährlichsten Tieren überhaupt zählen. Ein ausgewachsener Bulle bringt um die 2000 kg auf die Waage, hat ein ziemlich imposantes Gebiss, wovon ich mich durch die ausgestellten Schädel persönlich überzeugen konnte und ist alles andere als handzahm. Dasselbe trifft auf die Kühe zu, deren Aggressivität zunimmt, sobald sie ein Junges hat. Außer dem Menschen haben Flusspferde keine natürlichen Feinde. Ich bin nicht wirklich enttäuscht, von den Tieren nur ein paar Ohren im Wasser erspähen zu können.

Mzima Springs in Tsavo West
Mzima Springs

Das Ngulia Rhino Sanctuary ist der beste Ort, um Nashörner zu beobachten. Das abgesperrte Reservat beherbergt in Hochzeiten um die 70 Tiere. In den vergangenen Jahren konnten mehr als 100 Tiere erfolgreich ausgewildert werden.

Beim obligatorischen Sundowner beobachte ich das Treiben am Wasserloch. Langsam kehrt Leben ein. Aus dem Busch nähern sich eine größere Gruppe von Elefanten und eine Herde von Zebras. Zwei männliche Gazellen messen ihre Kräfte und eine Horde von Pavianen wetzt kreischend durch eine Ansammlung von Impalas. Obwohl ich nach dem Abendessen todmüde bin, fällt es mir schwer den Tag zu beenden.

Blick auf das Wasserloch in Tsavo West

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